Wann wird Kaffee geerntet? Kalenderwochen, Quartale und der Rhythmus des Erntejahres

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Wenn am Morgen die Mühle läuft und der vertraute Duft die Küche füllt, denkt kaum jemand daran, dass die Bohnen in der Tasse zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt im Jahr gepflückt wurden. Vielleicht in einer kühlen Dezemberwoche im äthiopischen Hochland. Vielleicht im brasilianischen Hochsommer, der bei uns Winter heißt. Vielleicht in jenen wenigen Tagen im Februar, in denen die roten Kirschen in den kolumbianischen Bergen genau richtig sind. Kaffee hat, anders als ein Apfel oder eine Weintraube, keinen einzelnen Erntemonat – er hat ein ganzes, über den Globus verteiltes Erntejahr.

Die Frage „wann wird Kaffee geerntet“ klingt simpel, hat aber keine simple Antwort. Sie hängt davon ab, auf welcher Erdhalbkugel die Pflanze steht, in welcher Höhe sie wächst und wie nah sie am Äquator liegt. Genau deshalb lohnt es sich, das Erntejahr nicht in einem einzigen Monat zu denken, sondern in Quartalen und Kalenderwochen – in jenem Raster also, mit dem auch Handel, Logistik und Röstereien tatsächlich planen.

Dieser Beitrag ist ein kleiner Spaziergang durch dieses Erntejahr. Er erklärt, warum es keinen festen Erntemonat gibt, wie sich die wichtigsten Anbauregionen über das Kalenderjahr verteilen und warum die Kalenderwoche dabei oft das genauere Maß ist als der Monat.

Warum Kaffee keinen festen Erntemonat hat

Kaffee wächst in einem schmalen Gürtel rund um den Äquator, grob zwischen dem 23. nördlichen und dem 25. südlichen Breitengrad – dem sogenannten „Bean Belt“. Dieser Gürtel umspannt beide Erdhalbkugeln, und genau das ist der Grund, warum es nie eine globale Kaffee-Erntezeit gibt: Während auf der Nordhalbkugel die Haupternte in unser Winterhalbjahr fällt, erntet die Südhalbkugel ein halbes Jahr versetzt.

Hinzu kommt die Höhe. Je höher eine Plantage liegt, desto langsamer reifen die Kirschen – ein Anbaugebiet auf 1.200 Metern ist oft Wochen vor einem benachbarten Hochlandfeld auf 1.900 Metern erntereif. Schon innerhalb eines einzigen Landes verschiebt sich das Erntefenster dadurch um mehrere Kalenderwochen. Wer also einen konkreten Termin sucht, denkt am besten nicht in Monaten, sondern in Zeiträumen, die sich von Region zu Region und von Jahr zu Jahr leicht verschieben.

Die Nordhalbkugel: Ernte im Winterhalbjahr

Der größte Teil der nördlich des Äquators gelegenen Anbauländer erntet zwischen Oktober und März – in Kalenderwochen ausgedrückt also grob von KW 40 des einen bis KW 12 des folgenden Jahres. Während bei uns die Tage kurz werden, beginnt in diesen Regionen die geschäftigste Zeit des Jahres.

In Äthiopien, der Urheimat des Arabica, fällt die Haupternte auf Oktober bis Dezember, in höheren Lagen bis in den Januar hinein. Mittelamerika – Guatemala, Costa Rica, Honduras, Nicaragua – erntet etwas später, vorwiegend von November bis März, wobei die tiefer gelegenen Felder zuerst und die Hochlagen zuletzt gepflückt werden. Indien und Yemen liegen mit Oktober bis Februar dazwischen, und auch der Robusta-Riese Vietnam bringt seine Haupternte zwischen Oktober und Januar ein.

Die Südhalbkugel: Ernte im Sommerhalbjahr

Südlich des Äquators kehrt sich der Rhythmus um. Brasilien, mit Abstand der größte Kaffeeproduzent der Welt, erntet von Mai bis September – mit dem Höhepunkt in den trockenen Wintermonaten Juni bis August, was in Kalenderwochen etwa KW 18 bis KW 36 entspricht. Weil Brasilien in vielen Regionen flach genug für maschinelle Ernte ist, lässt sich dort in wenigen, sehr intensiven Wochen ein gewaltiges Volumen einbringen.

Diese versetzte Erntezeit hat einen angenehmen Nebeneffekt für uns Konsumenten: Weil Nord- und Südhalbkugel zu unterschiedlichen Jahreszeiten ernten, gibt es praktisch ganzjährig frisch geernteten Rohkaffee irgendwo auf der Welt. Die „neue Ernte“ wandert mit den Jahreszeiten um den Globus.

Die Äquatorzone: zwei Ernten im Jahr

Am Äquator selbst, wo es kaum ausgeprägte Jahreszeiten gibt, wird es noch spannender. Länder wie Kolumbien, Kenia oder Uganda kennen oft zwei Ernten pro Jahr: eine große Haupternte und eine kleinere Nebenernte. In Kolumbien heißt die kleinere Ernte „mitaca“ – die Haupternte fällt grob auf Oktober bis Februar, die Nebenernte auf April bis Juni. In Kenia spricht man von „main crop“ (Oktober bis Dezember) und „fly crop“ (Juni bis August).

Für diese Länder ergibt der Blick auf einen einzelnen Monat noch weniger Sinn als anderswo. Hier verteilt sich die Pflückarbeit über mehrere Fenster im Jahr, und je nach Höhe und Mikroklima können selbst benachbarte Täler in unterschiedlichen Kalenderwochen reif sein.

Warum die Kalenderwoche das genauere Maß ist

Im Kaffeehandel wird selten von „Anfang November“ oder „Mitte Juni“ gesprochen – dafür ist die Sprache der Kalenderwoche viel zu praktisch. Eine Erntemeldung in KW 46 ist eindeutig, sprachunabhängig und lässt sich direkt mit Verschiffungsterminen, Ankunftsfenstern und Röstplänen verrechnen. Genau aus diesem Grund werden ganze Lieferketten – vom Exporthafen bis zur Rösterei – in Wochen statt in Monaten getaktet.

Diese Logik ist kein Spezialfall des Kaffees. Dass sich viele Dienstleistungen und Lieferketten nach Kalenderwochen planen, liegt daran, dass die KW ein robusteres Raster bietet als der Monat: Sie ist immer sieben Tage lang, sie kennt keine „ersten“ oder „letzten“ Wochenenden, und sie macht Zeiträume vergleichbar. Wer einmal nachvollziehen möchte, wie sich die aktuelle Kalenderwoche berechnen lässt, versteht schnell, warum gerade saisonale Branchen wie der Rohkaffeehandel so gerne in diesem Raster denken.

Vom Erntefenster bis in die Tasse: die Verzögerung

Wichtig ist: Die Kalenderwoche der Ernte ist nicht die Kalenderwoche, in der die Bohne bei uns geröstet wird. Zwischen dem Pflücken und dem ersten Schluck liegen meist mehrere Monate. Nach der Ernte folgen Aufbereitung und Trocknung (Tage bis Wochen), das Ruhen und Sortieren, der Transport zum Hafen, die Schiffsreise nach Europa (zwei bis sechs Wochen) und schließlich Lagerung, Qualitätsprüfung und Röstung.

Eine im November geerntete äthiopische Charge erreicht die europäischen Röstereien daher realistisch erst im Frühjahr. Wer wissen möchte, wie viele Wochen tatsächlich zwischen Erntefenster und Ankunft liegen, kann den Zeitraum mit einem Tage- und Zeitspannen-Rechner überschlagen – und versteht dann besser, warum „frische Ernte“ im Regal immer ein paar Monate Verzögerung bedeutet.

Wer es ganz genau wissen möchte, wird in einem detaillierten weltweiten Erntekalender fündig: Eine nach Anbauländern und Kalenderwochen aufgeschlüsselte Übersicht, die zeigt, Wann wird Kaffee abgebaut, ordnet jede wichtige Region ihrem konkreten Erntefenster zu – von der ersten reifen Kirsche bis zum Ende der Pflücksaison.

Ein grober Erntekalender nach Quartalen und Kalenderwochen

Die folgende Übersicht fasst die Haupterntezeiten der wichtigsten Anbauländer zusammen. Sie ist bewusst als grobe Orientierung gedacht – die tatsächlichen Fenster verschieben sich je nach Höhe, Mikroklima und Wetterlage des Jahres um einige Wochen.

Anbauland Haupternte (Monate) Etwa Kalenderwochen
Äthiopien Oktober – Dezember/Januar KW 40 – KW 4
Kolumbien (Haupternte) Oktober – Februar KW 40 – KW 8
Kolumbien (mitaca) April – Juni KW 14 – KW 24
Mittelamerika November – März KW 44 – KW 12
Kenia (main crop) Oktober – Dezember KW 40 – KW 50
Kenia (fly crop) Juni – August KW 22 – KW 34
Indien Oktober – Februar KW 40 – KW 8
Vietnam (Robusta) Oktober – Januar KW 40 – KW 4
Brasilien Mai – September KW 18 – KW 36

Aus dieser Tabelle lässt sich ein einfaches Muster ablesen: Das vierte und erste Quartal gehören weitgehend der Nordhalbkugel, das zweite und dritte Quartal Brasilien und der Südhalbkugel – und die Äquatorländer schieben mit ihren Nebenernten ihre kleineren Fenster dazwischen.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es eine feste Kalenderwoche, in der Kaffee geerntet wird?

Nein. Weil Kaffee auf beiden Erdhalbkugeln und in sehr unterschiedlichen Höhen wächst, gibt es kein einzelnes Erntefenster. Stattdessen verteilt sich die weltweite Ernte über das ganze Jahr – grob KW 40 bis KW 12 auf der Nordhalbkugel und KW 18 bis KW 36 in Brasilien und der Südhalbkugel.

In welchem Quartal wird der meiste Kaffee geerntet?

Gemessen am Volumen liegt der Schwerpunkt im zweiten und dritten Quartal, weil Brasilien als größter Produzent in dieser Zeit erntet. Das vierte und erste Quartal sind dagegen die Hauptzeit der nördlichen Anbauländer von Äthiopien über Mittelamerika bis Vietnam.

Warum erntet man Kaffee nicht das ganze Jahr über?

Innerhalb einer einzelnen Region ist die Erntezeit tatsächlich auf wenige Wochen begrenzt, weil die Kirschen nur in einem bestimmten Reifefenster ihren vollen Zuckergehalt erreichen. Global betrachtet wird aber durchaus ganzjährig geerntet – nur eben in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Zeiten.

Wie lange dauert es von der Ernte bis in meine Tasse?

In der Regel mehrere Monate. Auf die Ernte folgen Aufbereitung und Trocknung, das Ruhen, der Transport zum Hafen, die zwei- bis sechswöchige Schiffsreise und schließlich Lagerung und Röstung. Eine im Herbst geerntete Charge erreicht europäische Röstereien daher oft erst im Frühjahr.

Was bedeutet die zweite, kleinere Ernte mancher Länder?

In Äquatornähe, etwa in Kolumbien oder Kenia, gibt es neben der Haupternte eine kleinere Nebenernte – in Kolumbien „mitaca“, in Kenia „fly crop“ genannt. Sie fällt meist ins zweite oder dritte Quartal und liefert geringere Mengen, manchmal aber besonders interessante Qualitäten.

Ein Jahr in Bohnen

Wer das nächste Mal eine Tüte frisch gerösteten Kaffee öffnet, kann kurz daran denken, dass diese Bohnen einem präzisen Platz im Kalenderjahr entstammen – einer bestimmten Woche, in einer bestimmten Höhe, auf einer bestimmten Halbkugel. Die Frage nach der Erntezeit führt damit mitten hinein in das, was Kaffee zu einem so vielschichtigen Lebensmittel macht: Er ist flüssige Geografie, übersetzt in den Rhythmus der Jahreszeiten.

Und vielleicht ist genau das der schönste Gedanke an einem gewöhnlichen Morgen: dass irgendwo auf der Welt gerade jetzt, in dieser Kalenderwoche, jemand die ersten reifen Kirschen des Jahres aus dem Geäst klaubt – für eine Tasse, die uns erst in einigen Monaten erreichen wird.